Liebe Gartenfreundinnen, liebe Gartenfreunde,

liebe Besucherinnen und Besucher unserer Homepage, 


wer heute durch unsere Anlage spaziert, spürt sofort die Ruhe, das lebendige Grün und die Gemeinschaft, die unseren Verein so besonders machen. Doch die Idylle, die wir heute genießen, ist keine Selbstverständlichkeit. Sie ist das Fundament aus fast 90 Jahren bewegter Geschichte, geprägt von harter Arbeit, großem Zusammenhalt und dem unbändigen Willen, unser Stück Land im Duisburger Süden zu bewahren. 

Unsere Chronik erzählt von den Anfängen als einfaches Grabeland in den 1930er-Jahren, von schweren Krisen in den Kriegsjahren, aber auch von unvergessenen, glanzvollen Zeiten des legendären Gurkenfestes. Sie berichtet von den beeindruckenden Modernisierungen, die unsere Mitglieder in Rekordzeit und reiner Eigenleistung auf die Beine gestellt haben, und von der existenziellen Zerreißprobe im Jahr 2012, als wir unsere Anlage nur durch eisernen Zusammenhalt vor dem Aus retten konnten. 

Diese Reportage ist eine Hommage an die Gründergeneration, an all die fleißigen Hände der vergangenen Jahrzehnte und an uns alle, die wir den Verein heute mit Leben füllen. Sie zeigt: Egal wie stürmisch die Zeiten waren – der KGV „Feierabend“ e.V. lässt sich nicht unterkriegen. 

Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Eintauchen in unsere Geschichte und weiterhin eine wunderbare, ertragreiche Zeit in unseren Gärten! 

Gut Grün! 

Ihr Vorstand des Kleingartenvereins „Feierabend“ e.V.

 


 

Das grüne Herz von Wanheim:


Die bewegte Geschichte unserer Kleingärtner


Schwerarbeit in den Fabriken, rauchende Schlote und der Lärm der Industrialisierung: Die Wiege des Kleingartenvereins Wanheim liegt in einer Epoche, in der die Sehnsucht nach einem Fleckchen Erde überlebenswichtig war. Ein Rückblick auf Höhen, Tiefen, legendäre Feste und den unbändigen Willen einer eingeschworenen Gemeinschaft. 



Die Gründerjahre: Ausgleich und Überleben


Es liegt in der Natur des Menschen, ein Stück Land zu besitzen und zu bewirtschaften. Für die hart arbeitende Bevölkerung im Duisburger Stadtteil Wanheim bot das Grabeland ab den 1930er-Jahren den dringend benötigten Ausgleich nach der Schicht. Es ging jedoch um weit mehr als Erholung: Die Selbstversorgung mit frischem Obst, Gemüse und Kleintieren sicherte Familien ab. 

Ursprünglich lag dieses Land im Bereich der heutigen Straßen „Am Tollberg“ (damals Friemersheimer Straße) und der „Ehinger Straße“, die seinerzeit kaum mehr als ein holpriger Feldweg entlang der Bahngleise war. Als dieses Areal bebaut werden sollte, zogen die Gärtner auf ein neues, 22.500 m² großes Gelände zwischen dem „Knevelspfädchen“ (Beim Knevelshof) und der Molbergstraße um. 

Am 31. Oktober 1936 war es schließlich so weit: Die Gartenfreunde Heinrich Duesberg, Bernhard Neumark, Karl Allbrod, Willi Glimm, Emil Bock, Josef Wiczynski und Franz Haak gründeten offiziell den Verein. Am 28. Dezember 1936 folgte die Eintragung im Reichsbund unter der Nummer 364 als „Kleingartenverein Wanheim“. Heinrich Duesberg wurde zum 1. Vorsitzenden gewählt. Seinen endgültigen Namen „Kleingartenverein Feierabend e.V.“, den er bis heute mit Stolz trägt, erhielt der Verein am 11. Februar 1947. 



Weltkriegsnot und die Ära der Tageswache


Die Anlage florierte rasant. Zählte man 1939 noch 36 Gärten, waren es 1941 bereits 56 und zwei Jahre später 65 Parzellen. Dann folgten die Schreckensjahre des Zweiten Weltkriegs. Aufzeichnungen aus dieser Zeit existieren kaum. Das Vereinsleben kam vollständig zum Erliegen, da die Väter und Söhne an der Front standen. Zurück blieben die Frauen, die mit eiserner Disziplin die Gärten bewirtschafteten, um die Familien mit Kartoffeln und Gemüse vor dem Hunger zu bewahren. 

Auch die direkte Nachkriegszeit bot kaum Entlastung. Geld war wertlos, Waren knapp. In den Gärten wurde deshalb geerntet und gezüchtet, was nur möglich war – um Versorgungsengpässe zu überbrücken, hielten viele Pächter heimlich Schafe und sogar Schweine, obwohl dies streng verboten war. Die bittere Not zog auch Diebe an. Um die Ernte in den Sommermonaten zu sichern, setzten die Mitglieder eine Tageswache ein: Die Gartenfreunde Hückels und Krupp patrouillierten durch die Anlage. Für ihren Dienst erhielten sie monatlich 50,00 Reichsmark, die solidarisch auf alle Pächter umgelegt wurden. Nebenbei kümmerten sich die beiden um das Spritzen der Bäume (0,10 RM pro Stamm), während der Heckenschnitt und Baumschnitt ebenfalls gegen Entlohnung an Gartenbrüder und einen Berufsgärtner vergeben wurden. 



Das Wirtschaftswunder und die Legende des Gurkenfestes


Mit der Währungsreform kehrte die Stabilität und mit ihr die Lebensfreude zurück. Man sehnte sich nach Geselligkeit: 1952 wurde das erste Sommerfest auf dem Gelände des Sportvereins Wanheim bei Bier, Kartoffelsalat und Würstchen gefeiert. Dies war die Geburtsstunde einer echten Institution. 

Bereits 1954 wuchs das Fest, erhielt ein großes Festzelt sowie eine Kirmes auf dem Gelände neben der katholischen Kirche. Ab 1965 wurde die viertägige Großveranstaltung offiziell in „Gurkenfest“ umbenannt und entwickelte sich zum absoluten Publikumsmagneten im Duisburger Süden. Wer erinnert sich nicht an die festlich geschmückten Parzellen mit bunten Fähnchen, das abendliche Lichtermeer und die legendären Klompenbälle am Montag, bei denen das neue Klompenpaar feierlich in Holzschuhen gekrönt wurde? Erst 1984 endete die Ära der riesigen Festzelte, woraufhin die Feierlichkeiten in den intimeren Rahmen der Anlage und ab 1988 an das neu geschaffene Vereinshaus verlagert wurden. 

Parallel modernisierte sich die Infrastruktur: 1959 erfolgte der Anschluss an das Stromnetz der Stadtwerke mit eigenen Zählern für jede Parzelle, alte Wasserrohre wurden durch eine Ringleitung ersetzt und unter dem 1. Vorsitzenden Heinrich Seemann entstanden eine Werkstatt sowie ein Kinderspielplatz. 



Aufbruch in die Moderne und Muskelkater in Eigenleistung


Im Jahr 1984 übernahm der Verein das angrenzende Sportplatzgelände und erweiterte die Anlage um 24 zusätzliche Parzellen auf heute insgesamt 87 Gärten mit einer Gesamtfläche von 38.500 m². Die verbliebenen Umkleideräume der Ballsportler und Turner wurden nicht abgerissen, sondern in beeindruckender Eigenleistung umgewandelt. Aus dem Haus der Turner entstand das Vereinshaus 1 (eingeweiht 1988) mit neuem Boden, Küche und Gasheizung. 1995 feierte man schließlich Richtfest für das Vereinshaus 2 im alten Trakt der Ballsportler – ein Domizil komplett in Eigenregie errichtet, das zu den schönsten der Region zählt. In den Folgejahren wurden zudem die Hauptwege der alten Anlage komplett mit Verbundpflaster befestigt, um auch in nassen Jahreszeiten trockenen Fußes zu den Gärten zu gelangen. 



2012: Die Zerreißprobe und die Rettung des Vereins


Die größte Krise der Vereinsgeschichte traf die Pächter im Jahr 2012 völlig unvorbereitet. Behördliche Bodenproben wiesen massive Schadstoffbelastungen durch Schwermetalle wie Blei, Cadmium und Arsen auf. Plötzlich drohte das endgültige Aus der Anlage oder eine Zwangsumsiedlung nach Asterlagen. 

In zähen, nervenaufreibenden Verhandlungen zwischen der Eigentümerdienststelle der Stadt Duisburg (H. Schäfer), dem Verband der Duisburger Kleingartenvereine e.V. (T. Diker) und dem amtierenden Vorstand um H. Schürmann, S. Pellicane, J. Wagner und W. Mierwald konnte die Schließung in letzter Sekunde abgewendet werden. 

Die Rettung forderte den Pächterinnen und Pächtern jedoch viel ab: Geliebte Anpflanzungen mussten geräumt oder in Kübeln zwischengelagert werden, um die Gärten in einen sanierungsfähigen Zustand zu versetzen. Aufgrund unterschiedlicher Schadstoffkonzentrationen wurden zwei Sanierungswege gewählt: 

·                    22 Gärten wurden teilsaniert und erhielten jeweils drei Hochbeete. 

·                    65 Gärten mussten voll-saniert werden. Hierbei wurde der kontaminierte Boden mit einem Stahlrahmen aufgekantet, mit einem schützenden Geo-Gitter versiegelt und mit einer 20 Zentimeter dicken Schicht aus gesundem Mutterboden abgedeckt. Auch diese Parzellen erhielten 3 Hochbeete. Die Beschaffenheit wurde bei der Endabnahme in einem verbindlichen Bestandsplan dokumentiert. 

Die wichtigste Regel seit diesem Einschnitt: Der Anbau von Gemüse ist in der gesamten Anlage aus Sicherheitsgründen ausnahmslos in Hochbeeten gestattet. 



Ausblick


Heute blüht das Leben auf dem sanierten Grund und Boden schöner denn je. Der Kleingartenverein Feierabend e.V. hat in fast einem Jahrhundert bewiesen, dass er Kriege, Notzeiten und ökologische Krisen überstehen kann. Was bleibt, ist die tiefe Verwurzelung der Menschen mit ihrer Scholle und eine starke Gemeinschaft, die auch zukünftigen Generationen ein grünes Refugium im Duisburger Süden sichert. 




📊 Der KGV Feierabend e.V. auf einen Blick


  • Gründungsdatum: 31. Oktober 1936 
  • Erste Eintragung: 28. Dezember 1936 (Nummer 364 im Reichsbund unter dem Namen KGV Wanheim) 
  • Gründungsmitglieder: Heinrich Duesberg (1. Vorsitzender), Bernhard Neumark, Karl Allbrod, Willi Glimm, Emil Bock, Josef Wiczynski und Franz Haak. 
  • Heutiger Vereinsname „KGV Feierabend e.V.“ seit: 11. Februar 1947 
  • Anzahl der Parzellen: 87 Gärten (1939: 36 | 1941: 56 | 1943: 65 | 1983: 87) 
  • Gesamtfläche der Anlage: 38.500 m² (Startareal 1936: 22.500 m²) 
  • Vereinsheime: 2 (Vereinshaus 1 eingeweiht 1988, Vereinshaus 2 Richtfest 1995 – beide komplett in Eigenleistung erweitert und restauriert) 
  • Kult-Event: Das legendäre „Gurkenfest“ (von 1952 bis 1965 zunächst „Sommerfest“) 
  • Meilenstein Bodensanierung (2012): Rettung der Anlage vor der Schließung.

        22 Gärten erhielten Hochbeete, 65 Gärten wurden mittels Geo-Gitter, 20 cm Mutterboden und Hochbeete vollsaniert.